Erinnern – Betrauern – Wachrütteln

Landesweite Gedenkveranstaltung in Mecklenburg-Vorpommern am 27. Januar 2010 in Schwerin für die NS-Opfer von „Euthanasie“ und Zwangssterilisierung fand große Resonanz:

Von Sandra Rieck

Die Schriftstellerin Helga Schubert, Jahrgang 1940, hat zehn Jahre zu diesem Thema gearbeitet, ein Stipendium des Landes Mecklenburg-Vorpommern half etwas dabei in dieser Zeit, wofür sie dankbar ist. Das Buch „Die Welt da drinnen“ (2003) entstand als literarische Verarbeitung eines bespiellosen Kapitels der sog. „Euthanasie“-Verbrechen in nationalsozialistischer Diktatur, Ausführende waren damals Ärzte und PflegerInnen in der Schweriner Nervenklinik am Sachsenberg.
Nach der Wende sieht sich die in der Nähe von Schwerin sowie in Berlin lebende Schriftstellerin den fast 200 Patientenakten gegenüber, die zu DDR-Zeiten unter Verschluss des Ministeriums für Staatssicherheit lagerten. Sie ist erst die zweite Interessentin aus Schwerin für diese Originalakten, als sie mit ihrer Recherche in den neunziger Jahren beginnt und sich Tag für Tag ins Bundesarchiv Berlin begibt. Diese Akten sind Zeitzeugen, letzte Dokumente einer lange tabuisierten Zeit der Vernichtung „lebensunwerten Lebens“ durch ein nationalistisches und rassistisches Gesundheits- und Justizsystem während der Diktatur des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945. Jede Akte ein Schicksal: verdrängt, verleugnet.
Der Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern initiierte und koordinierte gemeinsam mit den Landesverbänden der Psychiatrieerfahrenen MV und der Angehörigen und Freunde psychisch Kranker MV, vielen regionalen Akteuren und der Landeshauptstadt Schwerin die dritte landesweite Gedenkveranstaltung, gemeinsam mit den HELIOS Kliniken Schwerin.

Quelle: www.das-boot-wismar.de

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