Die andere Dimension #2 – Hunters Weihnachtsgeschichte

GESCHICHTE / HÖRSPIEL von Christian Kaiser:

Hunter, ein Jäger, der mit seiner Familie in Brasilien lebt, ist in seiner Heimatstadt Rostock mit seinem Sohn und seinem Kumpel Chico unterwegs. Plötzlich taucht ein zweiter Hunter auf, er verschwindet mit Hunters Sohn in einem hellen Lichtschein mittels einer fremdartigen Maschine. Kommt er aus einer anderen Dimension?!
Hunter glaubt das fest, außerdem fürchtet er die außerirdischen Gorkons, reptilienartige Wesen, und landet schreiend in der Psychiatrie in der Gehlsheimer Nervenklinik.

Auf dem Weihnachtsmarkt
Mein Name ist Christoph Hunter. Es war Vorweihnachtszeit, genauer der 1. Dezember 2007. Ich war mit meinem Sohn Greg und unserem Kumpel Chico, in meiner Heimatstadt Rostock, in M-V unterwegs. Wir interessierten uns sehr für den Weihnachtsmarkt. Es war einfach schön. Wie schlenderten über den Markt, aßen Kartoffelpuffer und waren vergnügt. Am Stand der Indianer blieben wir stehen und unterhielten uns mit ihnen. Denn eines verband uns, unsere wahre Heimat Südamerika, die Indianer kamen aus Peru und wir lebten in Brasilien. Mein Sohn blieb bei den Indios, Chico und ich gingen zum Saturn-Kaufhaus.

Der Mann aus einer anderen Welt
Ich heiße ebenfalls Hunter, doch ich komme aus einer anderen Dimension. Ich arbeite für die Gorkons, die unseren Planeten erobert hatten. Ich konnte nicht anders, es ging um mein Leben. Nun war ich mit einem Teleporter in eine andere Welt gekommen, um diese auszukundschaften. Ich war in Rostock gelandet und sollte Kontakt zu meinen Herren aufnehmen. Doch als ich das tat, kollidierten die Raumschiffe. Was war geschehen?
Mein Schicksal war besiegelt, die Gorkons würden mich hinrichten. Ich beschloss, ein letztes mal über den Weihnachtsmarkt zu schlendern, oder sollte ich sogar hier bleiben? Es war so schön, dass ich alles vergaß. Menschen gingen durch die Straßen. Es herrschte ein geschäftiges Treiben. Die Tauben pickten nach allem Essbaren, aber meistens waren die Spatzen schneller. Keiner hatte Zeit, nicht mal die Vögel. Kaum war’n sie da, war’n sie schon wieder weg. Bei mir war vor vier Jahren das letzte Mal “gewählt” worden, danach regierten die Gorkons mit eiserner Hand. Die Regierung kooperierten mit den Besuchern aus dem Weltraum. Doch hier war es anders. Auf einmal, wie aus heiterem Himmel, kam ein Junge auf mich zu.
“Hallo Dad, können wir nicht länger hier in Deutschland bleiben?” fragte mich ein Junge, der große Ähnlichkeit mit mir hatte. Hatte ich in dieser Dimension einen Sohn? “Hallo Kurzer, du musst mich mit jemanden verwechseln.”, hätte ich lieber nicht sagen sollen. “Machst du Witze? Ich werde ja wohl noch meinen Vater erkennen!” brüllte der zehnjährige Junge. Dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Es war das Kind, was zusammen mit meiner Frau im Dschungel verschollen war, nach dem Flugzeugabsturz.”Entschuldigung Kleiner, das war ein dummer Scherz von mir. Wenn du willst, kaufe dir ein Eis.” Das Problem war nur, woher sollte ich wissen, wo ein Eis-Café ist? “Geh’ ruhig vor!”, meinte ich. “Also manchmal kommst du mir ganz schön komisch vor. Aber so bist du nun mal. Geil, dahinten gibt’s Kartoffelpuffer. Die lange Zeit im Dschungel schmeckten mir Eidechseneingeweide am besten. Aber das war mal…” sagte er lachend.
Das hieß also er war im Dschungel aufgewachsen. Vielleicht lebte auch er in meiner Dimension dort und hatte von der Invasion gar nichts mitbekommen.
“Weißt du Paps, man kann bei uns nicht sagen, dass unser Leben langweilig wird: Korrupte Politiker, Außerirdische, alles mögliche halt. Und fast jeder hält dich für verrückt, aber eben nur fast.”, sagte mein Sohn frech. Doch ich kannte immer noch nicht seinen Namen. Dann kam ein junger Indio: “Hallo Greg, hi Hunter, hast du jetzt wieder Zeit?” “Ich hatte es vorhin eilig, viel zu tun.”, meinte ich. “Eigentlich wollten wir doch Eis essen, Greg.” “Puffer schmecken mir besser.” “Wenn du meinst. Mir schmecken Reibekuchen auch.”, sagte ich.

Zwei Väter
Hi, mein Name ist Greg. Fast mein ganzes Leben verbrachte ich im brasilianischen Regenwald. Als meine Mutter mit mir schwanger war, stürzte sie und mein Vater mit dem Flugzeug ab. Meine Mutter dachte er sei gestorben und Chris Hunter, mein Vater, hielt uns für tot. Erst als ich 10 war lernte ich meinen Vater kennen. Und nun waren wir beide in Rostock. Ich erzähle euch diesen Teil der Begebenheit. Heute hatte mein Vater nicht alle Tassen im Schrank. Er benahm sich komischer als sonst. Er tat so als würde er mich nicht kennen. Irgend etwas seltsames ging hier vor. Das würde ich noch herausfinden. “Hey Hunter, was hast du denn den ganzen Tag gemacht. Wolltest du dich nicht erholen?”, fragte ich ihn. “Na ja, du weist ja wie das ist. Wie war die Frage?” Hunter war nicht ausgelastet.
“Heute ist wohl nicht dein Tag.”, sagte Chico, mein bester Freund, ein Indio. Da steckte mehr dahinter. “Hallo Leute, toller Tag.”, hörte ich ein weit entfernte Stimme rufen. Ich drehte mich um und konnte es nicht glauben: Da stand Hunter. “Ich glaub’ mich tritt’n Pferd!”, das konnte nicht sein. “Da-da hinten!” – “Was meinst du?” – “Da ist Hunter!” – “Unsinn, der sitzt doch hier”, Chico glaubte es nicht. Doch dann stand der zweite Hunter vor uns.

Auf der Flucht
Gestatten, Chico mein Name, ich habe schon viel erlebt. Doch das heute, setzte allem die Krone auf. Ein Hunter ist schon genug, aber gleich zwei. Der eine war geflohen, deshalb wusste ich, dass er das Double war. Ich sagte zu Hunter: “Bleib’ du hier, wenn du mitkommst, könnten wir euch verwechseln. Ich laufe eine Abkürzung. Du Greg, läufst ihm direkt nach!” Damals wusste ich nicht, dass wir Hunter, aus der anderen Dimension, noch häufiger treffen würden. Ich rannte durch den “Hopfen Markt”, während Hunter
neben dem “Rostocker Hof” entlang lief. Aber Greg war schneller zu Fuß als ich. Er holte Hunter ein, doch das konnte ich nur von weitem erkennen. Als ich bei ihnen war, redete Hunter wie ein Wasserfall.
“Das kannst du mir nicht erzählen, Joschka Fischer im Widerstand? Mich wundert aber wirklich inzwischen gar nichts mehr.”, sagte Greg “Worum geht’s?”, fragte ich. “Der hier kommt angeblich aus einer anderen Dimension. Dort haben die Gorkons die Menschheit versklavt.”, rief er mir zu. “Da gefallen mir die Gorta besser. Sie wollen nur die Menschheit ausrotten, weil wir dabei sind, die Natur zu vergiften und den Planeten zerstören.”, erwiderte ich. “Rede nicht so!”, Greg mochte meine sarkastische Art nicht. Eigentlich glaubten wir ihm beide nicht. Aber wie Greg schon meinte: Alles ist möglich, und wie konnte man es anders erklären. Aber er hätte uns fast ausgeliefert. Andererseits stand er ja unter Hypnose. Das sah man ihm sogar an. Zum Glück hatte er die Kurve gekriegt.”Und du willst jetzt tatsächlich in den Untergrund abtauchen und kämpfen?”, fragte Greg. “Es ist sehr gefährlich. Aber einer muss sich den Gorkons entgegenstellen. Viel zu wenig sind im Widerstand!”, erzählte Hunter besorgt.
“Am besten wäre, wenn du das System von innen heraus bekämpfst. Du kannst für sie arbeiten und geheime Informationen raus schmuggeln.”, riet ich ihm. Hunter sagte: “Leider geht das nicht. Zu Hause droht mir die Hinrichtung, weil ich meinen Auftrag nicht erfüllt habe.” Greg fragte: “Gibt es mich in deiner Dimension auch?” – “Mein Sohn ist damals mit seiner Mutter mit dem Flugzeug abgestürzt. Ich weiß nicht, ob sie überlebt haben. Wenn ja, geht es ihnen besser als den meisten anderen.”, Antwortete Hunter. “Deine Dimension ist unserer sehr ähnlich.”, meinte ich. Greg konterte: “Das haben Dimensionen so an sich.” Ich stellte die Frage: “Wann musst du wieder zurück?” – “Oh mein Gott, es sind nur noch 5 Minuten, bis sich der Teleporter aktiviert.”, schrie Hunter…Seine Ausrüstung, die er mitgebracht hatte, stand in der Nähe der Rostocker Stadtmauer. Nur noch drei Minuten: Hunter rennt, die Uhr läuft. Dann sahen wir die Maschinen mit fremden Schriftzeichen und glaubten ihm die Sache.
“Nun wird es wohl Zeit sich zu verabschieden.”, hatte Hunter gesagt und schon gab es einen gewaltigen Blitz. Greg versuchte trotzdem noch ihm die Hand zu geben. Das war sein Fehler, denn eine ungeheure Kraft zog ihn in einen Strudel. “Nein Greg! Nein!”, rief Chico.

Die Katastrophe
Nun kam ich, der Christoph, dazu. Es war etwas Furchtbares geschehen, mein Sohn war vor meinen Augen verschwunden. Ich hatte es aus einiger Entfernung gesehen. Keiner glaubte mir, obwohl ich mit meinem indianischen Freund Chico alles mit angesehen hatte. Er war jedoch nicht so durchgeknallt wie ich. Ja, ich weiß, es hört sich komisch an, wenn ich so was sage, aber wenn jemand durch die Straßen rennt, und brüllt: „Die Aliens werden kommen!“, dann verstehe ich schon, warum man ihn einweist. Doch sie wollen uns ja wirklich erobern und mein Sohn war weg. Chico wusste das auch, aber er war auf dem Boden der Tatsachen geblieben und vertraute darauf, dass Greg bald wieder zurückkommen würde. Ein Krankenwagen fuhr mich damals am 1. Dezember 2007 in die Gehlsdorfer Nervenklinik. Ich war ja wirklich ganz schön schräg drauf. Ich hätte es mir wohl selbst nicht geglaubt. Doch ich sollte einen neuen Freund kennen lernen, Marco, ein netter, trotzdem seltsamer Typ. Die Fahrt war lang, überhaupt schien die Zeit fast nicht zu vergehen. Das ich in eine Nervenklinik kommen sollte, wusste ich noch nicht. Doch zuerst stand das Arztgespräch an.

Das Arztgespräch
Als ich in der Klinik ankam begrüßte mich ein Arzt, mit Namen Theodor Lyck, ein junger, normal gebauter Doc mit blondem Seitenscheitel. „Warum Sind Sie Ihrer Meinung nach hier? Herr Hunter ist ihr Name, nicht?“ – „Ja Herr Lyck…“, wütend meinte er: „Dass heißt Herr Dr. Lyck! Jetzt weiter.“. „Mein Freund Chico macht auch bald sein Diplom in Sprachwissenschaften…“, fing ich an und wurde wieder unterbrochen. „Richtig, er hat uns erzählt, dass Sie in Rostock waren, um ihm und Ihrem Sohn Ihre Heimatstadt zu zeigen. Er meint, Sie sind ein ganz besonderer Mensch, so wie ihr Sohn. 1997 sind Sie und Ihre Frau mit einer Passagiermaschine über dem brasilianischen Regenwald abgestürzt. Ihre Frau bekam ihren Sohn im Dschungel. Erst als er neun Jahre alt war, lernten Sie sich kennen, da Sie bei dem Flugzeugabsturz getrennt wurden. Dass war sicher eine enorme Belastung. Sie sollen drei Jahre lang allein im Regenwald verbracht haben. Hatten Sie damals schon Halluzinationen?“Ich meinte: „Ich bin doch nicht verrückt, Herr Lyck.“ – „Dass sage ich auch gar nicht. Und es heißt…“ – „Ja, ich weiß, Herr Doktor. Haben Sie schon mal von den Illuminaten gehört? Oder sind Sie auch ein Teil der Verschwörung?“ – Er sagte mit einem Stirnrunzeln: “Das wohl eher nicht. Meines Wissens nach sind die Geschichten, die sich um die Illuminaten ranken eher fiktiv. Sie sind auch nicht der einzige, der sich in diesen Verschwörungstheorien verlor. Sie kennen doch sicher Karl Koch. Sein Leben wurde sogar verfilmt. Wie hieß der Film doch gleich?“ – „23 – Nichts ist wie es scheint“, das wusste ich natürlich: – „Aber da kam nichts von Außerirdischen vor.“, meinte der Lyck „Es gibt sie aber! Ich habe sie selbst gesehen!“ – „Sollten wir nicht über Ihren Sohn reden?“ – „Dass meine ich doch, mein Sohn und dieser andere Hunter sind in einer Dimension, in der die außerirdischen Gorkons schon die Menschheit versklavt haben.”
Plötzlich wurde der Doktor von einer Schwester gerufen. Er sagte mir, ich solle erst mal in mein Zimmer gehen. Ich sah auf dem Weg eine andere, allerdings ziemlich grimmig aussehende Schwester, mir war’s egal. Ich wollte von ihr wissen, wo mein Sohn ist. Sie sagte: „Nerven Sie nicht, gehen Sie auf ihr Zimmer! Ihr Zimmernachbar heißt Herr Freese.“ Die Frau hätte ruhig ein bisschen netter sein können und hübsch war sie auch nicht. Bei vielen anderen Schwestern war das anders in beiderlei Beziehung.

Der neue Zimmernachbar
Dann traf ich auf meinen Zimmernachbarn. Er sah überglücklich aus. Ich stellte mich vor. Total freundlich und überschwänglich sagte er: „Fröhliche Weihnachten, ich bin der Marco!“ – „Ich kann mich an Weihnachten gar nicht freuen, Marco. Mein Sohn ist weg und ich bin hier!“ – „Was? Wie? Erzähl!“ Und ich erzählte ihm meine Geschichte.Zwischendurch unterbrach er mich,. Er erzählte, dass ihm sein großer Bruder Timo seltsame Briefe hinterlassen hatte nachdem er von zu Hause weggelaufen war, in denen er über Entführungen durch Außerirdische berichtete, die sich Gorta nannten, graue kindsgroße Wesen mit großen schwarzen Augen. Er hatte in einer fremden Sprache Zeichen auf Papier gekritzelt bevor er verschwunden war. Das letzte Mal wurde er 1997 in Berlin gesehen. Ich konnte es nicht glauben, in den Medien fiel nie dass Wort „Gorta“. Wie konnte er davon wissen? Er meinte zu mir: „Hunter, du erzähltest doch auch von dieser anderen Dimension. In meiner psychotischen Phase, so nannten es jedenfalls die Ärzte, war ich auch in einer Parallelwelt. Und heute ist mir ein Engel erschienen.“
Vor einem Jahr noch, hätte ich das alles nicht geglaubt. Jetzt ist es anders. Und selbst wenn er es sich eingebildet hatte, für ihn war’s real. Nach fast einem Monat im Krankenhaus habe ich nun erkannt, dass diese Menschen mit seelischen Handicaps hoch sensibel und kreativ sind. Und ich habe einen neuen Freund gewonnen, Marco.
Ich erholte mich schnell, bekam aber auch Medikamente. Ich glaube sogar, dass das gar nicht schlecht war, auch wenn ich sie öfter mal absichtlich vergaß.

Das Wiedersehen mit Greg
Am 24. Dezember geschah es: Mein Sohn kam zurück. Ich lag morgens noch im Bett, war ja auch erst 6:00 Uhr. Eine Schwesternstimme sagte sanft: „Hallo Herr Hunter, aufwachen! Ich weiß, es ist noch früh und auch keine Besuchszeit. Über diesen Besuch freuen Sie sich aber bestimmt. Also raus aus den Federn!“, ich war richtig müde. „Wer kann das denn jetzt schon sein, Schwester?“ – „Das wird noch nicht verraten!“ Ich war so aufgeregt und fragte: „Ist es…“ – „Hallo Paps! Du hast mich sicher schon vermisst.“, lachte Greg. „Das kann doch nicht wahr sein, am heiligen Abend stehst du vor mir. Das ist das beste Geschenk, das ich je hatte! Ich schloss ihn in die Arme. Es war so wunderschön und das Beste war: Es fing auch noch zu schneien an. Dies war das schönste Weihnachtsfest, das ich jemals gefeiert hatte. Und Greg erzähltem mir was er alles erlebt hatte, zum Glück meinten die Ärzte er hatte viel Fantasie, sonst hätte er womöglich auch noch hier bleiben müssen. Ich erinnere mich noch an die Weihnachtsfeiern 1997 bis 1999 im Dschungel als mir drei Weihnachtsgeister erschienen, sonst hätte ich wohl auch gar nicht gewusst, was ich an Weihnachten habe und hätte die Strapazen nicht überlebt. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.

Fortsetzung folgt…

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